Textauszug

„Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.“ Am Anfang steht – ähnlich wohl, wie ihn Schiller in seinem „Wilhelm Tell“ nachempfunden hat - der Schwur. Auf einer Wiese. Im 13. Jahrhundert herrschen die Habsburger in der Schweiz. Aber sie unterwerfen sich nicht - die Mannen aus Uri, Schwyz und Unterwalden. Im August 1291 kommen sie zusammen auf einer Wiese am Vierwaldstätter See. Der Rütliwiese. Dem mythischen Herz der Schweiz. Sie schwören, „ein einig Volk von Brüdern“ zu sein und schließen sich zum „ewigen Bund“ zusammen. Der Schwur auf der Wiese ist die Geburtsstunde der Schweizer Eidgenossenschaft. Und Inspiration für Friedrich Schillers Drama vom sagenhaften Freiheitskämpfer Wilhelm Tell, der den schrecklichen Landvogt Geßler mit der Armbrust getötet haben soll. Die Habsburger akzeptieren die Eigenmächtigkeit der Eidgenossen ganz und gar nicht. Das Gebiet am Gotthard ist strategisch viel zu bedeutend für sie. Doch auch die Berner und Luzerner, die Freiburger und Zürcher wollen sich vom Joch der Abhängigkeit lösen, wechseln die Seiten und gehen die ewige Verbindung ein. Die Schweiz besteht heute aus 26 Kantonen. Ein Land, das nicht durch geografische oder sprachkulturelle Identität zu einer Nation geworden ist, sondern durch den gemeinsamen Freiheitswillen. Eine Willensnation mit vier Sprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Und die Schweiz ist ein Land mit einem gewaltigen Reichtum an Natur. Eine Sinfonie aus kalkweißen Felsen, tannen- oder buchengrünen Wäldern, türkisfarbenem Flusswasser und smaragdgrünen Bergseen. Wildromantische Täler, saftige Wiesen, liebliche Almen. Imposante Gletscher und schneebedeckte Gipfel. Allen voran das Matterhorn, das Schweizer Nationalmonument, der schönste Berg der Alpen. Der Markante. Am 14. Juli 1865 wird das Horn zum ersten Mal bestiegen. Die Expedition endet allerdings tragisch: Beim Abstieg kommen drei der vier englischen Bergsteiger und ein Schweizer Führer ums Leben. Von der Einsamkeit und Stille von dazumal ist heute keine Spur. Tausende Alpinisten versuchen sich jedes Jahr an der 4478 Meter hohen Felspyramide – fast die Hälfte davon scheitert an dem schwierigen Berg. Dabei ist es nicht einmal der höchste Gipfel der Schweiz, dieses Prädikat gehört der 4634 Meter hohen Dufourspitze. Ehrfurcht gebietende Höhen. Beide Berge sowie 36 der 55 Schweizer Viertausender sind von Zermatt aus zu sehen. Ein „Gipfeltreffen“ ganz besonderer, ganz ursprünglicher Art! Eiger, Mönch, Jungfrau, das mächtige Dreigestirn des Berner Oberlandes, ist leichter zu erreichen als der Matterhorn-Gipfel. Zumindest das Jungfraujoch. Eine Zahnradbahn bringt weniger ambitionierte Wanderer und Kletterer auf den 3454 Meter hohen Sattel zwischen Mönch und Jungfrau. Von hier oben ist der Aletschgletscher, der längste Eisstrom der Alpen zu sehen, der sich kilometerlang in Richtung Rhonetal schlängelt. Doch der Aletsch schrumpft. 20 bis 30 Meter im Jahr. Tendenz steigend. Damit ist er nicht allein: Von den 230 überwachten Gletschern der Alpen sind 70 Prozent auf dem Rückzug. Verantwortlich dafür ist vor allem der globale Temperaturanstieg. Den Reiz der Schweiz machen nicht nur die Berge, sondern auch Täler wie das Bergell in Graubünden aus. „Die Schwelle zum Paradies“ nannte der Maler Giovanni Segantini das Bergdorf Soglio. Eingebettet in Kastanienhaine liegt der Ort auf einer Terrasse, mit freier Sicht gen Süden. 150 Täler gibt es allein in Graubünden, dazu mehr als 600 Seen. Natur pur. Kein Wunder also, dass der Ruf „Zurück zur Natur“ von einem Schweizer stammt, dem Dichter und Philosophen Jean-Jacques Rousseau aus Genf. Seine Schrift „Discours sur les arts et les sciences“, in welcher...
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